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EYOC 09 in Serbien

Eine Einladung vor einem Jahr für ein Trainingslager mit dem österreichischen Jugendkader wurde für mich zu einer überraschenden Selektion fürs österreichische EYOC-Team. Trotz Aufruhr im österreichischen OL-Diskussionsforum nahm ich das Angebot nach längerem Überlegen an.

So startete ich am „Bündelidag“ meine lange Reise über Graz nach Südserbien, um mein anderes Heimatland zu vertreten.
Am Montag pünktlich um 7 Uhr rollte ein riesiger Car mit 16 motivierten Jugendlichen, vier engagierten Betreuern und einem faulen Busfahrer, der das Klo nicht öffnen wollte, aus dem kleinen Dorf Fürstenfeld in die weite Welt hinaus.
Wir verbrachten die 14-stündige Busfahrt mit Film schauen, Schnapsen (einem dem Jassen nachempfundenen Kartenspiel) und übten uns im Singen und Gitarrespielen. Abwechslungen brachten die Zölle und Klopausen – in Serbien bekommt man z.T. noch WC-Tickets – im Gegensatz zur Natur, die während mindestens acht Stunden aus einer sehr flachen Ebene bestand. Die letzte Stunde ging es kurvig ins grösste Gebirge Serbiens, in den Kopaonik. Typische Heumandln und halbfertige Häuser charakterisierten die serbische Landschaft. Spät am Abend kamen wir im mehrheitlich aus Hotels und Apartments bestehenden Touristendorf an. Mit letzter Kraft schleppten wir unser Gepäck in die Zimmer, die nach OL-Kategorien eingeteilt waren. Zwei Betten, ein ausziehbares Sofa für zwei Personen, eine kleine Küche, zwei Schränke, ein kleines Bad und keine Aufhängemöglichkeiten bildeten die Ausstattung.
Das Hotelpersonal war so nett und liess uns Hungrigen wenigstens noch etwas zu essen übrig. Das Buffet bestand wie auch in den darauffolgenden Tagen meistens aus Reis oder Nudeln, Fleisch, Gemüse, Krautsalat, Suppe und einem serbischen Dessert, wie z.B. Baklava. Es war ein recht reichhaltiges Angebot, wobei ich mich zuerst an die serbische Kochweise, d.h. weich gekocht und ungewürzt, gewöhnen musste. Das Frühstück war mit Wienerli und Rührei etwas spezieller; es gab aber auch Weissbrot, Honig usw.

Wie zu Hause ...

Alpin, den österreichischen und Schweizer Alpen ähnlich, technisch schwierig, gut belaufbar, viele Steine, viel Halboffenes, wunderschön: So würde ich unser Trainings- und Wettkampfgelände beschreiben.
Am Dienstag nach einem gemütlichen Aufstehen und Morgenessen um 9 Uhr standen die ersten beiden Trainings auf dem Programm, wobei wie auch bei den nächsten Trainings das Kennenlernen des Geländes und aktive Erholung im Vordergrund standen. Mit einem kurzen Rückblick und Ausblick schlossen wir den Tag ab.
Am Mittwoch wie die ganze Woche durch begleiteten uns abwechselnd strömender Regen und Sonnenschein. Frühstücken, Trainingsschuhe anziehen und nach Bedürfnis trainieren: Ich stattete einem Sumpf und einem 3er-Dickicht einen Besuch ab, um die Belaufbarkeit beurteilen zu können. Danach absolvierte ich einen Teil des Waldsprints. Am Nachmittag hiess es Serbien kennenlernen, wir machten die typische Stadt Novi Pazar unsicher. Anschliessend durfte ich ein Betreuergespräch mit der schweizerischen Österreicherin Vera Arbter, für einmal einer TrainerIN!, geniessen. Kurzform wäre: Wie ich durch den Wald laufen will? Wie ein Reh. EYOC-Motto? Nach jedem Lauf zufrieden zu sein. Ziele? Berufsgeheimnis ;-) Am selben Abend hat sich schliesslich auch das Schweizer Team nach längerer Wartezeit am Flughafen in der Unterkunft eingefunden.
Am Donnerstag war das „Schokileben“ vorbei;-). Der Tagesrhythmus inklusive das Aufstehen wurden an die Wettkampftage angepasst. Allmählich wurde es ernst. Auch die letzten Nationen waren unterdessen eingetroffen, jeder erhielt seine persönliche EYOC-Karte, Name und Land vermerkt. Jetzt stand der Model Event bevor. Dieser Anlass hatte in keiner Hinsicht etwas mit Modeln zu tun, sondern diente als erste Vorbereitung auf die Bewerbe (zu schweizerdeutsch: Wettbewerbe). Die Karte war wie die Wettkampfkarten vom gleichen Kartenzeichner aufgenommen worden. 30 Minuten in einem Gelände, das demjenigen des Langdistanzlaufs und der Staffel ähnlich war, und 10 Minuten Laufschule waren meine letzten läuferischen und technischen Vorbereitungen. Leider erlebte ich an diesem Tag noch eine arge Enttäuschung. Als ich nach meinem Training zur Unterkunft zurückkehrte, war meine Trainingsjacke, welche ich naiv im Eingangsbereich deponiert hatte, unwiderruflich weg. Es war mir eine Lehre ;-). Die grösste Hürde an diesem Tag war das Nudelkochen. Die meisten hatten Sehnsucht nach al-dente gekochten Spaghettis. Man meint, es sei einfach, doch mit einem Herd, der kein kochendes Wasser (vielleicht waren wir auch einfach unfähig) produzieren kann, ist es eine Kunst. Letztlich aber überlebten alle das Essen.

3 rot-weiss-rote Läufe ...

- ähnlich wie zu Hause
- gut akklimatisiert
- gute Vorbereitung
Die positive Einstellung und gute Ausgangslage des Teams, welche wir am Vortag besprochen hatten.
Die vier Betreuer teilten sich wie folgt auf: Die Vera beim Zelt in der Quarantäne, um mit ihrem physiotherapeutischen Fachwissen alle unsicheren Füsse zu tapen und zu kontrollieren, dass niemand etwas vergessen hatte, und allgemein als Ansprechperson dazusein. Unser Maskottchen, der Bär Fridolin oder Bruno oder Sweet Guart oder Jeremy – wir wurden uns betreffend des Namens nicht einig -, stand uns natürlich auch bei. Beim Start gab uns Roland Arbter letzte Tipps und war der beruhigende Pol für alle Nervösen. Die anderen zwei Betreuer feuerten uns beim Überlauf und im Ziel an, waren immer auf dem neusten Stand betreffend Zeiten und nahmen alle unsere Emotionen auf. Ihre österreichische „Lockerheit“ wirkte sich meiner Meinung nach positiv auf meine Nervosität und somit auf meine Leistungen aus.

Bei der eröffnenden Langdistanz am Freitag lief ich das erste Mal im Österreich-Dress, welches mir nach Aussage eines Schweizer Läufers nicht stehen würde ... Nach einem speziellen Pieps-Ton – zum Glück hörte ich den schon beim Model Event und musste nicht mehr lachen ;-) – startete ich in mein erstes Rennen. Schon bei den ersten beiden Posten büsste ich vier Minuten ein. Von da an lief es mir ausser kleineren Umwegen und Mini-Fehlern gut und ich konnte die vier Minuten hinter mir gestartete und läuferisch stärkere Russin immer wieder durch bessere Routen oder präzise Postenraumarbeit einholen. Schliesslich schaute für mich der zufriedenstellende 18. Platz bei 82 Teilnehmerinnen heraus. Eine ausgelassene und freudige Stimmung bereiteten dem österreichischen Team der Europameistertitel durch Robert Merl und das Diplom durch Anja Arbter.
Stolz wird die Nationalhymne gesungen.Wie bastelt man einen Europameister würdigen Kranz, der hält und erst noch schön aussieht, in zwanzig Minuten? Diese Frage stellten wir Mädls uns kurz vor der offiziellen Eröffnung der EYOC. Schön geordnet nach Nation spazierten wir in einem langen Zug durchs Dorf zum Begrüssungsort. Anschliessend fand die Rangverkündigung mit österreichischer Hymne, die ich zum Glück ein wenig geübt hatte ;-), statt, bei der sich unser Team mit unseren Singkünsten, die wir im Car aufgefrischt hatten :-), in Szene setzte (Bild). Später - im Zusammenhang mit Rückblick und Ausblick - wurden noch alle im ersten Drittel Platzierten von den Trainern geehrt.

Das schwierigste Rennen, die Staffel, bei der ich die zweite Strecke lief, stand uns am Samstag bevor. Unserer ersten Läuferin lief es nicht wie gewünscht und sie kam als 12. zurück. So konnte ich recht ruhig ins Rennen starten. Ich war auf Rat der Trainer recht langsam unterwegs und sah alle Objekte sehr gut – die Karte war äusserst detailreich und genau gezeichnet.
Karte der Staffel.1-2: Das ungenaue Kompasslaufen konnte ich auf dem Weg gut korrigieren (1’ verloren).
4-5: Meine Bahnhöfe waren der kleine Sumpfstreifen, das Wegarl, wo ich wieder genau bestimmen konnte, auf welcher Höhe ich war, und die Kohlenmeiler. Beim Posten hatte ich mehrere Läuferinnen aufgeholt, was mich natürlich motivierte.
5-6: Ich schätzte den Posten weiter unten ein. Zudem verunsicherte mich Andrea Koch, welche den Posten schon hatte, und ich lief knapp daneben vorbei (1’30’’ verloren).
Bei den letzten Posten hatte ich wieder saubere Attackpoints und keine grossen Probleme und wir rutschten auf den 8. Rang vor. Die Schlussläuferin lief mehr oder weniger einen sauberen Lauf, konnte jedoch nichts mehr aufholen. Unser eher enttäuschender 8. Rang wurde durch eine Bronze-Medaille der D-16 Läuferinnen und ein Diplom der H-18 Läufer wettgemacht. Für mich war es trotzdem wiederum ein zufriedenstellender Lauf.
Am Abend brauchte ich meine volle Durchsetzungskraft, da ich bei der Schweizer Hymne aufgefordert wurde, im Schweizer Chörli mitzusingen. Ich hielt mich jedoch neutral schweizerisch und hielt meinen Mund verschlossen. Bei der anschliessenden EYOC-Party im wahnsinnig engen Discoraum entstand eine ausgelassene Stimmung. Es wurden neue Bekanntschaften geschlossen, die manche jedoch am nächsten Morgen eher bereuten ;-)

Nach den guten Resultaten bei den letzten Sprints wusste ich, dass ich beim abschliessenden Sprint am Sonntag ein gutes Ergebnis erzielen könnte, und freute mich besonders darauf. Er fand zur Hälfte im Wald und im Dorf, wo wir wohnten, statt. So waren wir mehrmals in der Woche im Dorf spazieren und prägten uns alle Treppen, Wege, Hausecken und Bäume ein. Manche der verstreuten Ferienhäuser befanden sich im Wald oder zwischen Wiesen mit hohem Gras und Sträuchern.
Ab 8.30 Uhr vergnügten wir uns in der Quarantäne, welche sich auf einer breiten, braunen Piste befand. Das Einlaufen brauchte ich, um mich auf den grösseren Massstab einzustellen.
Die ersten zwei Posten lief ich etwas zögerlich und unpräzise an und verlor rund 50 Sekunden. Von diesem Moment an war ich mit dem Kopf immer voraus und wusste auch im Dorf jeweils, wo der Postenstandort war. Nur ein Sumpfloch, in welches alle hineinfielen, störte kurzzeitig die Konzentration und beschmutzte die schönen OL-Hosen bis zu den Knien ;-). Ex aequo mit Mirjam Hellmüller reichte es mit meiner Zeit auf den 10. Rang. Trotz einem 6. Rang des Europameisters Robi liessen wir die abschliessende Rangverkündigung aus und verliessen das Gebirge.

Nach 14 Stunden Carfahrt kamen um 2.15 viele müde, aber glückliche Gestalten wieder in Fürstenfeld an. Ein kurzer, herzlicher Abschied nach einer Nacht auf dem Sofa im Jugendgästehaus und ich machte mich auf die ellenlange Heimfahrt. Es war eine interessante und tolle Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Laura Ramstein