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Therwil ist gegen Orientierungslauf

Die Gemeinde will die Wildtiere während der Brut- und Setzzeit schützen

Die Basler Orientierungslauf-Gruppe will am 16. Juli einen OL im Bruderholzwald durchführen. Der Termin wurde vor einem Jahr eingegeben. Doch jetzt hat Therwil Bedenken.

Mit Karte und Kompass bewaffnet, wollen rund 150 Kinder, Jugendliche und Erwachsene durch den Wald von Therwil, Oberwil und Bottmingen laufen. Das Problem dabei: Im Juni ist noch Brut- und Setzzeit. Zum Schutz der brütenden, trächtigen und neugeborenen Wildtiere gelten vom 1. April bis zum 31. Juli besondere Regeln, wie zum Beispiel die Leinenpflicht für Hunde. Auch Menschen, die sich abseits der Waldwege aufhalten, schrecken Wildtiere auf.
In Therwil haben sich deshalb die Bürgergemeinde, die Jagdgesellschaft und der Natur- und Vogelschutzverein gegen den OL ausgesprochen. Die Gemeinde habe an sich nichts gegen den Anlass, sagt der Therwiler Gemeindeverwalter Theo Kim. Man wundere sich allerdings über die Örtlichkeiten und den Zeitpunkt: «Nicht zum ersten Mal findet ausgerechnet während dieser Zeit ein grosser OL in diesem Gebiet statt. Ich nehme das mit einem gewissen Kopfschütteln zur Kenntnis», so Kim. Deshalb lehne der Therwiler Gemeinderat den OL vehement ab. Da der Lauf aber auf dem Gebiet mehrerer Gemeinden stattfinden soll, liegt die Entscheidung für eine Bewilligung nicht bei Therwil, sondern beim Amt für Wald beider Basel. Die betroffenen Gemeinden werden nach ihrer Meinung gefragt.
Aus Oberwil liegt der BaZ keine bestätigte Auskunft vor, doch offenbar hat die Gemeinde nichts gegen den OL. Hingegen spricht sich neben Therwil auch Bottmingen gegen den Lauf im Juni aus. Dies aus Solidarität zu Therwil, wie Melanie Anetzeder, Ressortleiterin Natur und Umwelt, sagt: «Uns könnte es egal sein. In Bottmingen sind nur Waldwege betroffen. Aber in Therwil rennen sie quer durch den Wald. Und wir wollen nicht ‹Ja› sagen, wenn dadurch eine andere Gemeinde Probleme bekommt.»

Mit Amt abgesprochen.
Otti Bisang, Koordinator OL und Umwelt vom regionalen OL-Verband, kann die Haltung von Therwil nicht nachvollziehen. Er weist darauf hin, dass 2003 für dieses Gebiet ein Waldentwicklungsplan (WEP) erstellt wurde. In diesem sei festgelegt, dass rund ein Viertel des Therwiler Bruderholzwaldes Wildruhegebiete seien. «In diese Ruhegebiete dürften wir, in Absprache mit Förster und Jägerschaft, eigentlich einmal im Jahr. Doch wegen der Brut- und Setzzeit haben wir keine Ausnahmebewilligung verlangt und den OL extra um die Ruhezone herum gesetzt», sagt Bisang. Ihm sei klar, dass ein OL die Wildtiere aufscheuche, doch das sei 2003 im WEP berücksichtigt worden. Und seither habe sich in Therwil nichts verändert. Zudem gebe es eine regionale Koordination solcher Anlässe, um allfällige Häufungen zu vermeiden. «Therwil ist bei dieser Koordination auch vertreten und der OL steht dort schon seit einem Jahr auf der Terminliste. Der Termin wurde auch mit dem Amt für Wald abgesprochen, so Bisang.
Nun liegt der Ball beim Amt für Wald. «Wir versuchen stets, ein gänzliches Verbot zu vermeiden und stattdessen mittels geeigneter Auflagen den Anlass zu ermöglichen. Wir wollen allen Bedürfnissen Rechnung tragen», sagt Reto Saboz vom Amt für Wald zur allgemeinen Handhabung solcher Fälle. Der Entscheid, ob der OL im Bruderholzwald im Juni stattfinden darf, fällt am Dienstag.

Basler Zeitung, 21.5.2010, Dina Sambar, Katrin Roth

Ruhezeit. Ein Orientierungslauf könnte Wildtiere stören. Deshalb will Therwil den Anlass nicht in seinem Wald. <small>Foto: Stefan Holenstein</small>