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Dreiländer OL - Streckenführung und Historie

Dreiländer OL


Basel Kleinhüningen (CH) – Weil am Rhein (D) – Huningue (F)

Für den Ortsnamen Hüningen steht der Hunnenkönig Attila Pate. Man sagt, die Hunnen haben auf ihrem Durchzug im 3.-5. Jh. hier beidseits des Rheins gelagert. Im Wappen des baslerischen Kleinhüningen ist deshalb der Hunnenkönig zu sehen.

Am 7. Juli 2012 ziehen die OL-Läufer hier über den Rhein, etwas einfacher als damals über die schön geschwungene Fussgängerbrücke, die von den Franzosen in Huningue liebevoll "la Passerelle des Trois Pays" genannt wird.

Das attraktive urbane Gebiet im Dreiländereck bietet auf kleinem Raum ein grosses Mass an Abwechslung. Damit mehr davon auf die neue Karte Dreiländereck passt, haben wir entschieden, den Rhein um 100m schmaler darzustellen. Die "Passerelle" allein hat eine Spannweite von 238m.

Gestartet wird beim Hafenbecken 1 des schweizerischen Rheinhafens. Vis-à-vis vom buntgeschachtelten Container-Terminal mit den dazugehörenden Geräuschen des Hafenkrans. Hier werden zig-Tonnen Schuttgüter, Mineralöle, Getreide und eben Container verschoben. Die Versorgung des schweizerischen Mittellandes erfolgt zum grossen Teil über die schweizerischen Rheinhäfen. Gewusst? Tendenz steigend. Es sind Erweiterungen des Hafenbeckens 2 und der Umschlagplätze in geplant. Hier stimmt schliesslich auch die Umweltbilanz.

Nicht nur durch die freie Rheinschifffahrt sind wir im Dreiländereck mit den Nachbarsstaaten eng verbunden. Immer wieder spielte deren Geschichte in unseren Alltag: Zum Beispiel gegen Ende des 2. Weltkrieges als am 7. Oktober 1944 die Alliierten die Schleusen vom Kraftwerk Kembs weiter rheinabwärts bombardierten. Mit Erfolg, trotz der heftigen Flakabwehr der Deutschen. In der Folge sank der Wasserpegel und liess die Schiffe im Hafenbecken 1 auf Grund laufen. Meine Mutter sagt, es war ein Samstag und die Basler hätten sich auf Brücken und Dächer gestellt und hätten dem Kriegsgeschehen bange zugeschaut.

Dreiländer OL

Ein anderes Zeichen von kriegerischem Tun ist im malerischen alten Dorfkern von Kleinhüningen auszumachen, welches die OL-Läufer nach dem Start queren: Die Kirche wurde im Jahr 1814 von der Festung Hüningen aus beschossen. Als Erinnerung daran wurden bei der Renovation die steinernen Kanonenkugeln in die Nordwand eingemauert.

Ein altes (versetztes) Fischerhaus gibt eine Idee davon, wie dörflich es hier mal ausgesehen hat, bevor die riesige Hafenumschlagshalle das Dorf teilte.

Beim Verlassen des Hafenareals, an der Landesgrenze zu Deutschland, ändert sich die Szenerie schon wieder. Der Übertritt erfolgt beim Landesgrenzstein Nr. 1 (1817) durch ein extra Loch im Grenzzaun. Der Stein stand einst inmitten einer Rheininsel, der „Schusterinsel“, und markierte die Grenzlinie zwischen dem Grossherzogtum Baden und der Schweiz. Erst 10 Jahre vor der Steinsetzung forderte Napoleon Bonaparte noch, die Schusterinsel sei an Frankreich abzutreten. Dazu muss man die Bedeutung der Festung Hüningen kennen: Geplant und gebaut vom Festungsbauer Vauban, bildete sie ab 1680 den Brückenkopf des damaligen Rheinübergangs und beherbergte mehr als ein Jahrhundert ganze Garnisonen von Soldaten mit Zubehör. Der Untergang der Festung fand nach dreimaliger Belagerung im Jahr 1815 statt, am 27. August.

Die Basler waren da nicht unbeteiligt: Sie gewährten den Habsburgern unter Erzherzog Johann von Österreich den Gang über die mittlere Rheinbrücke in der Stadt, damit sie die Festung von hinten her einnehmen konnten. Dafür wurden die Basler mit dem Pariser Friedensvertrag 1815 dazu verpflichtet die Festung zu schleifen, was ziemlich teuer war.

Dreiländer OL

Ich war bei der Arbeit als Kartografin immer wieder verblüfft, wie greifbar hier die Geschichte ist: der Grundriss von Huningue entspricht dem Pentagon von Vauban und die Zacken der Festung sind im Strassennetz sichtbar.

Zurück zur OL-Route: Die 2007 eingeweihte Dreiländerbrücke entspricht lagemässig den diversen Schiffsbrücken und Fährbetrieben, die mit Unterbrüchen die Festung Hüningen und heute Frankreich mit dem rechtsrheinischen Deutschland verbinden. Die Läufer queren sie (Achtung auf der Karte verkürzt dargestellt!) und lernen das heutige Huningue kennen. Grosser Wermutstropfen: Der ehemalige Waffenplatz, das schmucke baumgesäumte Plätzchen im Zentrum des 5-Ecks mit obligatem Obelisk zur Ehre des gefallenen Generals Abbatucci, ist im Umbau. Es entstehen unterirdische Bauten, die erst 2013 fertig werden.

Die Szenerie beim Zielareal ist bestimmt durch den Seitenkanal des Rhein-Rhone-Kanals, der seit der Stilllegung als Übungsplatz für die Kanuten dient. Eine Wildwasserstrecke verleiht dem Ort eine abenteuerliche sportliche Note und begleitet die Läufer mit ihrem Rauschen ins Ziel nahe dem Rhein und dem Schleusentor vom Kanal.

Esti Wenger, Kartografin